Pilgern auf den Tarasoles

Viele Menschen wandern mindestens einmal im Leben nach Santiago de Compostela. Lese hier meinen Reisebericht von meiner Pilgertour:

Ich pilgere dieses Jahr zum dritten Mal auf einem ausländischen „Jakobsweg“. Diesmal ist es eine Pilgerreise der ganz besonderen Art: Ich habe meine Schuhe Zuhause gelassen und möchte mich mit meinen handgefertigten Tarasoles- Barfußsandalen, und wenn der Weg es zulässt, auch ganz barfuß nach Santiago auf den Pilgerweg begeben.

Mein „Camino“ startet in Porto / Portugal, von wo aus ich den Küstenweg, den „Camino da Costa“ bis nach Spanien pilgern möchte. Dieser Küstenweg hat verschiedene Varianten, ich habe mir die ursprüngliche Variante, den „Camino Espiritual“ vorgenommen, der 360 km durch Portugal und Spanien verläuft.

Am 5. Mai starte ich morgens von der Kathedrale in Porto. Es regnet in Strömen und entlang der Küste weht ein rauher Wind, so dass ich schon in der ersten Minute meinen Regenponcho auspacke. Unter meinem Regencape ist mein 6 kg schwerer Rucksack zum Glück sicher im Trockenen. Ich bin an diesem Morgen die einzige Pilgerin, zumindest hat sich noch niemand auf den Weg gemacht. Es tut gut den Alltag hinter mir zu lassen und ich bin fröhlich gestimmt und pfeife ein altes Wanderlied.

Nach wenigen Kilometern kehre ich trotz Regenponcho total naß in die erste Bar ein und genieße einen heissen Kaffee. Die Einheimischen unterhalten sich laut und fröhlich und nach einem starken Kaffee verläuft mein Weg entlang der Küste viele Kilometer auf einem Holzbohlenweg. Abends erreiche ich meine erste „Pilgerherberge“- zu meinem Erstaunen ein Campingplatz. Erleichtert und freudig atme ich auf, denn ich hatte mit einem Schlafsaal in einer Pilgerherberge gerechnet. Mir kamen Erinnerungen an meine erste Pilgerreise auf dem „Camino frances“, den ich vor 15 Jahren gewandert bin. Oftmals lag ich die halbe Nacht wach in einem Schnarchkonzert in einer gut gefüllten Herberge mit 20-30 MitpilgerInnen.

Morgens erwache ich ausgeschlafen und mache mich wieder auf den Weg entlang der Küste, vorbei an magischen alten Kirchen und Fischerdörfern. Meine Barfußsandalen leisten mir auf dem Holzbohlenweg gute Dienste. Ich habe die 6 mm dicken weichen Vibramsohlen mit einem 4 mm Walnuss- Schaummaterial verklebt, so dass ich angenehm weich gehe.

Seit 9 Jahren bin ich im Ballengang unterwegs. Ich rolle nicht mehr, wie die meisten Menschen, über die Ferse ab, sondern setze zuerst mit dem Vorfuß auf und bringe die Ferse zum Schluß zum Boden. Dadurch bewege ich mich über die weiche Zone des Fußes (den Ballen) und aktiviere meine Muskelkette. Das Abrollen über die Ferse hingegen ist ein angelerntes Bewegungsmuster was pro Schritt Gelenke und Knochen mit ca. 50 kg belastet. Auf Grund einer Knieverletzung damals habe ich den Ballengang erforscht und bin dann vollständig auf das „weiche Gehen und Laufen“ umgestiegen.

Einige Pilger schmunzeln als sie mich mit den Barfußsandalen sehen und schließen Wetten über mich ab, ob ich überhaupt in Santiago ankomme. Der Weg verändert sich, ich laufe über Straßen durch urige kleine Dörfer, auf weichen Wegen durch Eukalyptuswälder, die meiste Zeit ist das Wetter unbeständig. Einige Waldwege sind so matschig und stehen unter Wasser. Ich ziehe meine Sandalen aus und laufe barfuß, vergnügt wie ein Kind, durch Pfützen. Ich genieße den Matsch und die Kühle des Untergrunds. Abends komme ich gutgelaunt in die nächste Herberge. Dort erwartet mich eine Pilgerin, deren Füße komplett mit Blasen übersäht sind. Ihr Schuhwerk: feste Wanderstiefel und darin nasse Socken. Ich helfe ihr beim Versorgen des Fußes mit Blasenpflaster. Meine Füße haben zum Glück nichts abbekommen, und ich bin gespannt auf die nächste Etappe.

Auf gepflasterten Strassen geht es am nächsten Morgen weiter und ich bekomme eine kräftige Fußmassage. Doch meine Füße gewöhnen sich schnell an den steinigen Untergrund und fühlen sich abends gut durchblutet und trainiert an. Was ich als unangenehm empfinde, sind die vielen Kilometer auf hartem Asphalt. Dadurch wird immer wieder die gleiche Zone am Fuß belastet. Um diesem Vorzubeugen trage ich meine Sandalen und versuche den „Weg der Tiere“ zu nehmen. Ich laufe, wenn möglich, neben der Strasse auf Gras und Unebenheiten. Wenn meine Füße und ich müde sind sitze ich gern am Weg und mache eine Pause. Mein Geist kommt angenehm zur Ruhe und ich genieße das Alleinsein und Allein- Gehen.

Zu dieser Zeit ist auf den Alternativ Varianten (u.a. der Variante Espiritual“) wenig los und in den größeren Herbergen schlafe ich oft allein oder mit nur wenigen Mitpilgern. Was ich sehr mag sind die vielen Menschen mit ihren außergewöhnlichen Lebensgeschichten. Es sind sogar PilgerInnen aus Taiwan angereist.

Für mich ist Pilgern eine Zeit der Einkehr und Auszeit. Aus diesem Grund bin ich tagsüber immer allein auf dem „Camino“ unterwegs. So kann ich Rasten und Ausruhen wann ich möchte, ich lege mich unter einen schattigen Baum, oder ich lasse mir mein Picknick aus Brot, Tomaten und Oliven schmecken. Auf einer Pilgerreise bist Du auf das absolut Notwendigste beschränkt – mein Rucksack beherbergt 6 kg. Mit Wasser ca 7 kg.

Diese Pilgerreise war etwas sehr Besonderes für mich und ich bin froh und  dankbar, dass ich vor 9 Jahren den gelenk- und rückenschonenden Ballengang entdecken durfte. Mir kam es so vor, als wäre ich tatsächlich die einzige Pilgerin, die ohne Blasen, Verletzungen und Leiden unterwegs war. Abends habe ich meistens meine Zeit damit verbracht anderen Pilgern die Blasen an den Füßen zu versorgen. Übrigens habe ich gute Erfahrungen mit DMSO gemacht (mehr dazu in einem anderen Post).

Da der Weg viele Kilometer über harten Asphalt verläuft, wäre der Fersengang auf Barfußschuhen ein extremes Verletzungsrisiko.

Barfuß-Pilgertouren (Pilgern auf Barfußschuhen):

Wir planen eine Pilgertour auf dem Camino-Frances von Frankreich nach Santiago de Compostela. Die Gruppengröße wird auf 6-8 TeilnehmerInnen begrenzt sein. Diese Pilgertour ist für Menschen, die auf eine innere Reise, eine Visionssuche gehen möchten und sich eine Veränderung in ihrem Leben wünschen.

Da das Pilgern mit Barfußschuhen ausreichend Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der natürlichen Bewegung voraussetzt, können wir nur Menschen auf die Pilgertouren einladen, die mindestens einmal an unseren Barfuß-Seminaren teilgenommen haben. Du solltest Dich gesund und fit fühlen, sowie bereit sein einige Wochen vor der Reise mit geeigneten Barfußschuhen zu trainieren.

Wenn Du Dich jetzt angesprochen fühlst, nimm bitte Kontakt per Email zu uns auf. Wir möchten Dich persönlich kennenlernen!

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